Der ist doch bekloppt!

Wenn man mit dem Minimalismus beginnt, muss man sich damit abfinden, dass man schief angeschaut wird. Zu Anfang verstehen die Leute das Prinzip dahinter nicht und fragen sich, ob mit einem etwas nicht stimmt.

Ich versuche dann stets ein wenig Aufklärungsarbeit zu leisten. Man sieht nämlich auf den ersten Blick nur, dass die Person einfach ganz viele Sachen wegwirft. Es geht dabei aber gar nicht so sehr darum sich von Dingen zu trennen. Es bezieht sich eher darauf seine Energie auf das zu lenken, was wirklich wichtig ist.

Ich brauche keine 20, mehr oder minder gute T-Shirts und weitere 20 naja geht so Hemden. Was ich allerdings brauche sind Kleidungsstücke, die mich zum einen kleiden und gleichzeitig nach „Lieblingsstück“ anfühlen. Sofern man diesen Maßstab an seine Kleiderauswahl legt, wird man schnell merken auf wieviel man eigentlich verzichten kann und wie schnell sich ein fühlbarer Mehrwert einstellt. Nämlich das gute Gefühl, jeden Tag eins seiner Lieblingsstücke zu tragen. Die oft zitierte Qualität statt Quantität.

Wird es so erklärt, dann kommt man schnell ins Gespräch und erntet auch oft eine zaghafte Zustimmung. Der Satz „Ich müsste auch dringend mal ausmisten“ fällt sehr häufig und ich versuche die Person dann stets vom „Ich werde ausmisten“ zu überzeugen.

Man fühlt sich bei diesen halben Missionierungssätzen schnell als Teil einer religiösen Gemeinschaft von Minimalisten, aber von einer Religion ist das Prinzip sehr weit entfernt. Letztendlich ist nämlich für jeden etwas anderes „heilig“.

Für mich ist es z. B. unmöglich auf meinen Laptop zu verzichten. Ich weiß aber an anderer Stelle, dass so etwas mit als erstes aus dem Haushalt verbannt wurde, dafür aber ganze Schrankwände voller Bücher stehengeblieben sind. Aus Liebe zum geschrieben Wort auf Papier.

Bei diesem Punkt habe ich hingegen stark aussortiert und wie zuvor geschrieben einige Müllsäcke voller Bücher verschenkt. Da ich mittlerweile primär auf meinem eReader lese, waren sie für mich nicht mehr als Staubfänger und somit unnötig.

Das ganze kann man für jeden einzelnen Minimalisten weiterspinnen und jeder wird etwas anderes nennen, denn unsere Herzen sind nun einmal so, dass sie sich ganz individuell an etwas verlieren.

Manchmal stellt einen der Alltag aber auch vor Hindernisse. Meine Partnerin und ich haben heute meine Eltern besucht und wir gingen mit einem Korb voller kleiner Geschenke nach Hause. Das meiste davon waren Dinge zum Essen, aber natürlich habe ich nun auch wieder einen neuen Korb und dies völlig ungewollt. Ich bin meiner Mutter dennoch sehr dankbar dafür und ich weiß wie gut sie es meint, aber letztendlich passt es nicht in meinen Lebenswandel. Ich mache ihr keinerlei Vorwürfe, denn sie weiß ja nicht, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe und sie würde ihn unterbewusst ohnehin nicht akzeptieren. Das weiß ich übrigens daher, dass ich in jeder Diät meines Lebens von meiner Mutter dennoch stets Schokolade zugesteckt bekommen habe. Ich liebe meine Eltern.

Das sind die kleine Stolpersteine, die einem in Weg gelegt werden aber das Ganze auch noch interessanter machen. Jetzt freue ich mich erst einmal auf das frische Glas Erdbeermarmelade von Bauernhof aus der Region, das ebenfalls in dem Korb war. Das Frühstück morgen ist gerettet.

 

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4 Kommentare zu „Der ist doch bekloppt!

  1. Lieber Lars, zum Thema Geschenke habe ich bei erleichtert vor einer Weile einen schönen Artikel gefunden: https://erleichtert.net/2016/07/17/minimalismus-beziehungen-mitteilungsbeduerfnis/ aber es wird sicher immer Menschen geben, die „unsereins“ für bekloppt erklären. Wichtig ist doch, dass wir selbst wissen, warum wir so handeln, und z.B. uns (und die Gesellschaft) hinterfragen und weiterentwickeln. Ich wünsche dir und euch auf jeden Fall ganz viel Freude dabei und drücke die Daumen für die nächsten Etappen. Alles Liebe, Liesa

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    1. Vielen Dank für den Tipp. Habe ihn direkt gelesen und er beschreibt wirklich sehr gut das was ich meine. 🙂 Habe dem Blog direkt mein Abo verpasst! Natürlich ebenso Dank für deine lieben Wünsche. 🙂

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  2. Was ich so etlebe ist, dass viele sich bei dem Thema selbst inspirieren lassen einmal über ihren Besitz nachzudenken.
    Manche verstehen es nicht und argumentieren dann für Konsum, ist auch okay, muss jeder selbst wissen wie er leben möchte. Ich erkläre dann meist was mir das ganze Reduzieren gebracht hat. Dass mein Haushalt sich nebenbei erledigt, dass ich somit mehr Zeit für Dinge habe, die mir wichtig sind. Dass es das Leben signifikant vereinfacht, man ist organisierter. Dass es mir geholfen hat mehr zu mir zu finden, Dinge zu reparieren, selbstschädigende Verhaltensweisen abzulegen uvm. Und die meisten stimmen dann letzendlich zu dass weniger oftmals mehr ist.
    Es kommt auch öfter vor dass es Freunde oder Familie gut meinen und mir Gegenstände mitgeben wollen. Wenn ich das nicht wirklich brauche sage ich stets nein. Ich tue dem anderen auch keinen Gefallen wenn ich etwas annehme nur um höflich zu sein, es aber als Ballast empfinde. Ein Geschenk soll ja Freude bereiten.

    Lg

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    1. Danke für deinen Kommentar 🙂 Ja ich gebe dir recht, bereits in meiner frühen Minimalismusphase bemerke ich, dass einige Dinge leichter zu „verwalten“ sind. Bald habe ich Urlaub und dann ist der Keller dran, das wird noch einmal ein Highlight.

      Vielleicht schaffe ich es ja mit der Zeit, dass mir auch meine Mutter nichts mehr einfach so schenkt. 🙂

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