Den Fokus kalibrieren

Was genau ist mir wichtig? Was sind meine Prioritäten und stimmen meine daraus resultierenden Antworten wirklich mit der gelebten Wirklichkeit überein?

Kurz gesagt… nö.

Ich lasse mich nur allzu gern von wichtigen Dingen ablenken. Mir wurde dies richtig bewusst, als ich neulich mit Freunden essen war. Wir legten unsere Jacken ab und noch bevor ich Platz genommen hatte, überprüfte ich mein Handy auf neue Nachrichten.

Im Anschluss legte ich es auf den Tisch. Während nun die Unterhaltungen voranschritten leuchtete mein Display auf und ich sah ein „Gefällt mir“ für eines meiner Bilder auf Instagram. An sich ist das ja vermeintlich nicht schlimm, aber mein Gespräch geriet dadurch kurz ins Stocken und ich verlor den Faden.

Der Fokus am Tisch sollte ganz klar meinem Gegenüber gelten, oder meinetwegen noch dem Essen. Er sollte ganz sicher nicht bei dem Mobilgerät liegen. So schön diese Wunderwerke auch sind… sie machen süchtig und ich bin definitiv betroffen.

Die eingehende Frage hätte ich nämlich unter anderem mit Freunden beantwortet. Ein Gefällt mir auf Instagram hat mich aber in Sekundenschnelle vom Gespräch abgewandt.

Man könnte dies nun als Lappalie abtun, aber dabei bleibt es ja nicht.

Aufstehen… Smartphone checken. Zähne putzen… Smartphone checken.

Duschen, verabschieden, zur Bahn laufen, in der Bahn, aus der Bahn raus zum Bus, warten auf den Bus, im Bus, restlicher Fußweg zur Arbeit. Und ja… gelegentlich auch während der Arbeit. Das Ganze dann umgekehrt wieder abends.

Anschließend bestimmt 100x bis zum Schlafen. Wenn ich dann nachts aufwache… checken.

Das IST meiner Meinung nach ein Suchtverhalten. Man könnte jetzt über die Schädlichkeit diskutieren, aber mir gefällt der Gedanke generell nicht.

Selbst jedes Vibrieren in der Hosentasche lenkt den Fokus auf das Mobiltelefon. Egal wie wichtig das ist, was man gerade macht.

Daher beginnt ab heute mein ganz persönliches Experiment. Ich minimiere nicht mehr nur die Dinge um mich herum, sondern auch diese eingehenden Reize. Nein, ich werde nicht mein Smartphone abgeben oder verschließen.

Ich habe Facebook, Instagram, Twitter, Reddit und Discord deinstalliert. Auf der ehemaligen Facebook Position, liegt nun die Kindle App. Die ist jetzt deutlich öfter offen und erinnert mich ständig ans lesen.

Natürlich habe ich die Accounts der Apps nicht gelöscht, denn am Computer daheim spricht meiner Ansicht nach nichts gegen diese Dinge. Ich möchte ja nur meine dauerhafte Sucht nach Aktualisierung umgehen. 🙂

Für die verbleibenden Apps, habe ich die lockscreen Benachrichtigungen ausgeschaltet und das vibrieren des Geräts generell deaktiviert.

Bin gespannt wie das Ganze für mich funktionieren wird. Anstatt die Handyapps nun dauerhaft zu aktualisieren, werde ich heute Abend meinen Kindle bemühen. Mal schauen wie es läuft.

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